Bericht zum Kolloquium 2018

Auch das diesjährige Kolloquium war für alle Teilnehmer wieder hoch interessant. Unter dem Thema “Technische Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs” verbargen sich zwei Themenschwerpunkte:

  1. Die geschichtliche Entwicklung und der aus Ausblick auf den Betrieb in der Zukunft
  2. Ein tieferer Einblick in die neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen.

Zu Beginn führte uns Herr Jänsch weit zurück in die Vergangenheit. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre wurde bei allen Forschungen in Richtung Hochgeschwindigkeit nur das Magnetbahnsystem (> Transrapid) als die Zukunft angesehen. Nach längeren, immer wiederkehrenden Diskussionen konnte letztendlich das Rad-Schiene- System doch noch ebenfalls an diesen Forschungstöpfen partizipieren - und am Ende durchsetzen.

Vom Rollen-Prüfstand in München über den Versuchsträger UmAn und den ICE-V ging die Entwicklung hin bis zu den ersten ICE Serientriebzügen, die 1990 den Betrieb über die beiden Neubaustrecken Hannover - Würzburg und Mannheim - Stuttgart aufnahmen. Weiter stellte Herr Jänsch in seiner lockeren Art die dann folgende Entwicklung bis heute dar - und was einem dabei immer wieder für Stolpersteine in den Weg gelegt wurden. Ein diesbezügliches Highlight in seiner beruflichen Laufbahn war dabei einen deutschen Zug in Frankreich zuzulassen und einsetzen zu dürfen. Ein Schmankerl: ein Zug in Frankreich muss Handschellen mitführen und die Möglichkeit bieten, einen renitenten Fahrgast festsetzen zu können. Allerdings muss ein solcher Fahrgast genau bei Grenzübertritt nach Deutschland aufgrund der hiesigen Rechtslage wieder freigelassen werden …
Ein sehr interessanter und sehr belustigend locker präsentierter Vortrag.

Als Nächstes referierte Professor Siefer von der TU Braunschweig über das Thema “Vereintes Europa - auch beim HGV?".

Nach der obligatorischen Kaffeepause ging es dann mit der modernen Fahrzeugtechnik weiter. Herr Schellhaus von Siemens Mobility aus Erlangen stellte das Konzept des neuen Velaro Novo vor.

Dies insbesondere mit dem Blick darauf, was getan wurde um die notwendige Energie so effizient wie möglich einzusetzen. Und wie sich durch heutige Techniken, Vorschriften und Tools die Arbeitsweisen der Konstrukteure und Entwickler im Gegensatz zu früher gewandelt haben. Erstaunlich dabei war, dass die eigentliche Konstrukteurs-Tätigkeit heute in den Hintergrund tritt und über die Erfüllung von Anforderungen, Anforderungsmanagement, Toolbedienung und -pflege zur Nachweisführung der Konstrukteur mehr mit operativer Bürokratie beschäftigt ist als sich gedanklich mit dem System und der an ihn gestellten ingenieurtechnischen Aufgabe zu befassen.

Als vierten Vortragenden konnten wir Herrn Prix begrüßen, der über die Entwicklung der innovativen Fahrwerke des Velaro Novo berichtete. Die Fahrwerke leisten einen besonderen Anteil insbesondere zur Gewichtsersparnis des Zuges.

Über verschiedene Entwicklungsschritte in den letzten 5 bis 6 Jahren wurde dargelegt, wie die Entwicklung vom klassischen Drehgestell mit Auslagerung hin zu einem innengelagerten Drehgestell verlaufen ist. Insbesondere der neu entworfene und optimierte Drehgestellrahmen beeindruckte durch seine Filigranität und nicht nur optische Leichtigkeit. Alle Entwicklungsschritte wurden über Nachweise und Versuche verifiziert und als realisierbar nachgewiesen, so dass bereits erste Aufträge für das neue Drehgestellkonzept verbucht werden konnten.

Und was alle erstaunt hat: im modernen Hochgeschwindigkeitszug setzt man wieder Klotzbremsen sein ! Zugegeben nicht als Betriebsbremse, hier ist die Entwicklung soweit fortgeschritten, dass - auch aufgrund des Einsatzes von permanent-erregten Motoren - weitgehend elektrisch gebremst wird. Aus Gewichts- und GEsamt- Energiebetrachtungen wurde daher auf Scheibenbremsen verzichtet, die Klotzbremsen sind nur für den absoluten Notfall als letzte Rückfallebene da.

Alles in allem wieder eine sehr interessante und lehrreiche Veranstaltung, die dann für die Mitglieder des FSH e.V. traditionell bei der Nachlese in der Gaststätte Kaiser ihre Fortsetzung fand. Beim gemütlichen Zusammensitzen und Abendessen wurden dann weiter diskutiert, Kontakte gepflegt sowie beim Austausch von Fach- und fachfremden Themen der Abend ausklingen gelassen.

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